Andrea Nahles

Die SPD-Vorsitzende spricht mit Lkw-Fahrern über Probleme der Branche

Andrea Nahles trifft sich am 28. Juli 2018 mit Lkw-Fahrern, Vertretern unterschiedlicher Kraftfahrerkreise und Vetretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf einem Rastplatz der A4 bei Aachen.
Dumpinglöhne, keine ordentlichen Ruhezeiten, zu wenig Stellplätze, schlechte sanitäre Bedingungen sind einige der Misstände, die an diesem Tag zur Sprache kommen.
Trucker aus Süd- und Mitteleuropa fahren meist zu niedriger Bezahlung. Nahles sagt, dass diese ebenfalls den Mindestlohn erhalten müssten, wenn sie in Deutschland arbeiten.
Die Parteivorsitzende verspricht politischen Druck, damit eine europäische Lösung zugunsten der Lkw-Fahrer gefunden werde.
Die Fahrer beklagen auch die miserablen Bedingungen auf deutschen Raststätten.
Im Vergleich zu Belgien oder Italien gibt es in Deutschland zu wenig Stellplätze. Wer nach langen Fahrzeiten nach einer Parkmöglichkeit Ausschau hält, sucht mitunter für Stunden vergeblich. Tausende Park- und Schlafmöglichkeiten fehlen.
Die zugehörigen Zahlen des Bundesfinanzministeriums: Nordrhein-Westfalen beklagt ein Defizit von mehr als 2000 Nacht-Plätzen. Schnelle Abhilfe scheint nicht in Sicht. Der Landesbetrieb Straßen NRW prognostiziert, dass sich die Zahl bis 2025 auf 3700 fehlende Lkw-Parkständen in NRW erhöhen wird.
Trotz Kontroverse bleibt die Atmosphäre auf der Raststätte freundlich. Viele Berufskraftfahrerinnen und -kraftfahrer sagen, sie seien froh, dass die Politikerin ihnen zuhöre.
Andrea Nahles begutachtet den Innenraum eines Lkw, in dem die Fahrer während ihrer Touren durch Europa oft für mehrere Monate leben.
Nach zwei Stunden auf dem Rastplatz soll die Diskussion an einem runden Tisch fortgesetzt werden.
Flankiert vom heimischen Bundestagsabgeordneten und Verkehrspolitiker Udo Schiefner geht Andrea Nahles zur Pressekonferenz, wo mehrere Dutzend Kraftfahrer aus dem In- und Ausland, Vertreter der Gewerkschaft und Vorsitzende der Kraftfahrtverbände auf die Politikerin warten.
Mit am Tisch: Vertreter des Kraftfahrerkreises Düren-Aachen und die DGB-Initiative „Faire Mobilität“.
Bezogen auf die offenen Märkte und den Konkurrenzdruck sagt Nahles: "Die Fahrer wissen, dass sie ausgenutzt werden, können sich aber nicht dagegen wehren. Deshalb muss schnell eine europäische Lösung gefunden werden, damit faire Wettbewerbsbedingungen in der Transportbranche herrschen.“
Doch das Sozialdumping ist nicht der einzige Missstand, den die Branche festgehalten wissen will.
Ein Fahrer übergibt der Parteivorsitzenden ein Papier, in dem die Branche die Probleme gelistet hat.
Darin heißt es auch: Auf den Rastplätzen können sich die meisten Trucker keine warmen Mahlzeiten, keine heiße Dusche oder die Benutzung der Toiletten leisten. Außerdem müssten sie bei ihren Fahrzeugen bleiben, da sie für die Fracht verantwortlich seien. Diebstähle häuften sich.
So nimmt Andrea Nahles abschließend auch die Verbraucher in die Pflicht.
Wer erwarte, so Nahles, dass er schnell und billig bestellte Waren erhalte, müsse wissen, "dass das nur durch Dumpinglöhne und widrigste Arbeitsumstände möglich wird.“